Gründonnerstag, ein heller sonniger Tag. In der jüdischen Welt beginnt heute das Pessach-Fest, das an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei erinnert.
Im Tagebuch von heute geht es um Überlebensstrategien im Alltag und um das Prinzip Hoffnung.
Aljoscha hat die neunjährige Lina befragt, wie sie ihre Tage verbringt, und nach ihrem Lieblingsrezept. Kochen, Abenteuer-Bücher, Bewegung, liebe Gewohnheiten – das rettet. Die Geschichte ist Auftakt einer kleinen Serie, in der LeNa-Kinder zu Wort kommen.
Grete stellt sich vor, dass nach der Krise eine bessere Welt entsteht, unsere Gesellschaften österlich „auferstehen“.
Hoffnung wächst in Gedanken an liebe Menschen, die die Situation mit Würde tragen, an die Mutter im Seniorenheim (Berta), die jüdische Freundin in Vilnius (Ulla). In der globalisierten Welt fliegen die Gedanken in alle Kontinente: In Idlib wird wegen der Corona-Gefahr nicht gekämpft, hörten wir von syrischen Freunden. Lutz van Dijk schrieb aus Südafrika von den Sorgen um Kinder und Kolleg*innen im Township.
Nach dem abendlichen Singen schlägt Martin ein Osterritual vor. Wer mag, legt Steine der Sorge und der Hoffnung um die große Eiche. Mit einem Zettel, was sie/ ihn bewegt.

Ulla

 

Stimmen – Beiträge – Interviews

 

 

Aljoscha

Die persönliche Herausforderung in dieser herausfordernden Zeit ist, gut für sich zu sorgen und das zu gestalten, was in unserer Hand ist.
Deshalb habe ich heute mit Lina (9) über Dinge gesprochen, die sie gern mag … zum Beispiel ihr Lieblingsessen. In der kalten Jahreszeit ist das eine Käse-Lauch-Suppe. Sie wärmt so schön, wenn es draußen windet oder regnet.
Dafür braucht es für die Fleischvariante:
150g gemischtes Hackfleisch, 1 Zwiebel, 3 Stangen Lauch, 1 Packung Schmelzkäse, 200ml Sahne, 2l Brühe und 2 kleine Kartoffeln
Nachdem das Hack gewürzt und angebraten wurde, die Zwiebel klein gewürfelt, den Lauch in Ringe geschnitten, die Kartoffeln in Würfelchen auch mit anbraten, dann mit der Brühe ablöschen. Alles 5 min köcheln lassen, dann Schmelzkäse und Sahne dazu und 15 min weiterköcheln. Je nachdem wie flüssig es sein soll, kann noch Brühe ergänzt werden. Mit Salz, Senf und Curry abschmecken.
Für die vegane Variante nimmt mensch Sojageschnetzeltes (kann man auch weglassen) anstelle von Hackfleisch, anstelle von Sahne Hafercuisine und anstelle von Schmelzkäse gibt es vegane Creme fraiche.
Das Ganze wie oben zubereiten, muss nur etwas mehr gewürzt werden, da die Sojaschnitzel Salz anziehen.
In der warmen Jahreszeit mag sie gern Nudeln mit Tomaten-Pesto und geriebenen Käse. Das kann sie schon selber kochen.
Lina liest gerade Bücher aus der Reihe: „Kinder aus dem Möwenweg“.
Vier Jungen und vier Mädchen erleben zusammen Abenteuer. Es gibt bisher acht Bände davon. Ihre kleine Schwester (5) mag die Geschichten auch und findet sie nicht gruselig. Lina meinte, dass 12-jährige die Bücher nicht mehr spannend finden.
Lina verbringt gern ihre Zeit draußen mit Waveboard Fahren, anderen hinterher spionieren und Wasserschlachten machen.
Und in der Quarantäne-Zeit hat sie gern Mensch ärgere dich nicht gespielt und mit der ganzen Familie zusammen gepuzzelt.

 

 

Grete

Die Päckchen zu Ostern für meine Kinder sind auf dem Weg. Soweit alles normal. Nur ein Ostergefühl – Aufbruch von Natur und Mensch ins Licht und Wachsen – stellt sich nicht ein. Nicht mal Oster-Deko. Die erschiene mir irgendwie unpassend in Zeiten von Bedrohung durch Krankheit und Grundrechtseinschränkung. Herr Söder sagte: Es geht um Leben und Tod – da müssen wir alles tun, koste es, was es wolle.
Ich kann meine Gedanken nicht einfangen, die da sagen, es geht doch in so vielen Regionen dieser Welt seit langem um Leben und Tod, und oft setzen wir die Ursachen. Durch unseren Konsum von Viel und Billig. Durch die von uns verursachte Klimaveränderung. Da tun wir gar nichts, weil es uns unsere Gewohnheiten kosten würde.
Wenn wir jetzt so konsequent sein können, können wir es vielleicht nach Corona im Interesse unserer Mitmenschen in weit entfernten Teilen dieser Welt auch sein?
Die herrschende Wirtschaftsethik wägt zwischen Kosten und Nutzen ab, auch wenn es um Menschenleben geht. Unser Konsumverhalten macht den Unterschied.
Nach Corona möchte ich mit achtsamem Blick auf die Folgen das neue Leben genießen können. Und ich möchte auch danach noch überzeugt sein, dass dieser Rechtsstaat Grundrechte nur einschränkt, wenn es unvermeidbar ist und dass er für die Menschenwürde (immerhin Artikel 1 unserer Verfassung) aller Menschen eintritt.
Bietet Ostern da nicht eine gewagte aber schöne Parallele? Leiden, Sterben, Auferstehen und die Welt ist besser?

 

Ulla

Zum Beginn des Pessach-Festes schreibe ich an meine mütterliche Freundin Irena in Vilnius. Sie ist 92 Jahre, eine der wenigen Überlebenden der Shoa in Litauen. „Bin eingekerkert“, schreibt sie zurück. Dennoch ist sie munter, heute wird sie mit der in London lebenden Tochter und den Enkeln skypen. Ostern wird sie mit den katholischen Freundinnen „fernmündlich“ feiern, und mit ehemaligen Schülerinnen (sie war Professorin der Germanistik). Irena ist in zwei religiösen Traditionen verwurzelt. Aufgewachsen ist sie in einer liberalen jüdischen Familie. Nach der Ermordung ihrer Mutter fand sie, mit dreizehn Jahren, Unterschlupf in einer streng gläubigen katholischen Familie, die sie als siebtes Kind annahm. „Es ist interessant“, beendet sie ihre Mail, „ob die Menschheit aus dieser Erfahrung etwas lernt. In Hoffnung – Deine Irena.“

 

Berta

Ich bin gerade viel am Schreiben, was ich schon immer gerne tat – jetzt habe ich Zeit dafür und es ist eine schöne, „virusarme“ Möglichkeit zum Kommunizieren.
Meine Karten und Briefe nehme ich mit auf einen kleinen, morgendlichen Spaziergang durch den Park unserer Nachbarn, dem PKL, zum nahe gelegenen Briefkasten.
Es sind wenige Menschen, denen ich dort begegne. An der kleinen Kapelle sitzen 2 Frauen in der Sonne und erzählen. Ab und an laufen einzelne Mitarbeiter und Bewohner zwischen den Häusern. Wie ist hier gerade das Arbeiten?! Über Kollegen aus dem Klinikum weiß ich, dass es eine große Herausforderung ist, mit den Menschen hier in der Psychiatrie den „Corona Standard“ einzuhalten, und es schwer ist, mit „uneinsichtigen“ Patienten umzugehen, das macht mir sorgenvolle Gedanken, während ich durch diesen schönen, sonnigen Park gehe.
Am Briefkasten schicke ich einen Geburtstagsgruß und eine Karte an meine Familie los. Bin froh, dass dort alle gut versorgt sind, und auch meine 91 jährige Mutter gelassen und geduldig im betreuten Wohnen ausharrt und versucht, kreativ zu sein! Mittlerweile hat sich dort ein abendliches Flurtreffen von 3 Frauen etabliert, die in gebührendem Abstand, zu einem Schoppen Würzburger Wein und zum „Ratschen“ (Norddeutsch: Klönen) zusammen kommen. Ab und an gibt es wohl auch ein „Balkon Konzert“, bei dem für die Bewohner im Garten musiziert wird.
Ähnlich, wie bei uns! Ich bin erleichtert, dass sie kreativ ist und sich nicht von den schlimmen Meldungen aus den benachbarten Pflegeheimen herunterziehen lässt. Das gegenseitige Anteilnehmen lässt uns auch wieder mehr zusammenwachsen.

 

 

 

 

 

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