„Das kleine weiße Ding. Das muss eingestöpselt werden“, erklärt mir Paulina (7) und zeigt mit dem Finger auf zwei ineinander verschlungene Schnecken. „Das kann dauern.“ Wir beugen unsere Köpfe über die schwarze Plastikwanne, die Paulina, Ella (5) und Lotta (5) zu einem Terrarium umgestaltet haben: eine Landschaftsidylle für Schnecken, mit viel Gras, Baumrinden, Ästchen und einem Sandkastenförmchen als Tränke.
„Schnecken sind Zwitter“, sagt Paulina. „Und sie paaren sich nur, wenn sie sich mögen. Und nur, wenn sie sich in der Umgebung wohlfühlen. So wie hier, bei uns.“ Soweit zum Thema Paarungsbiologie. Wochenlang haben die Mädchen das Geschehen beobachtet und Erkenntnisse gesammelt, auch mal Erwachsene mit Fragen gelöchert. Schnecken sind nachtaktiv, wissen sie inzwischen, brauchen viel Feuchtigkeit, sie lieben Salat und frische Gurken. Ihre Kacke ist ziemlich groß, die Eier, die sie legen, auch. Erst waren es 3 Schnecken, später 32, jetzt wird nicht mehr gezählt. „Alle Häuschen sind ganz verschieden und sooooo schön“, schwärmt Paulina.
Seit die Kinder zuhause bleiben müssen, haben manche die Tiere im Garten entdeckt, haben ein Auge für Schnecken, Insekten, Vögel. Verfolgen die Brut der Meisen oder sehen den Hühnern zu. Auch die tierischen Hausgenossen sind in der Corona-Zeit wichtiger geworden. Mit ihnen zu kuscheln, zu spielen oder sie einfach nur anzuschauen, hat etwas Beruhigendes. Ist Gesprächsstoff, regt die Phantasie an. Wie wäre es, wenn wir Menschen Saugnäpfe an Händen und Füßen hätten und uns wie Schnecken an Fensterfronten hochgleiten könnten, überlegten neulich Toni und Juju.
Nähe zu Tieren, intensives Beobachten… vielleicht eine Erfahrung, die bleibt?
Heute erzählen vier Bewohner*innen humorvolle Geschichten von Katzen und einem Hund, von Hühnern und Fischen.
Mit dem heutigen Sonntag geht eine Woche zu Ende, in der die Welt etwas größer geworden ist. Einige waren endlich beim Friseur, haben Freunde getroffen, Kinder waren wieder beim Musikunterricht. Fürs lange Christi-Himmelfahrts-Wochenende sind Besuche bei Großeltern, Geschwistern und Enkeln geplant. Kleine Fluchten in die Heide, an die Elbe, ans Meer. Vorerst haben Kids auf dem Rasen ein Zeltlager aufgebaut. Abends, auf Einladung Aljoschas, wieder Singen…
Ulla

 

 

Stimmen – Beiträge – Interviews

 

 

 

Marie

Unsere Hühner

Am 28. April haben wir im Wohnprojekt Hühner bekommen. Vier Hühner: zwei Barnevelder, Smilla und Kalia, und zwei Welsumer, Lotte und Frida. Ich und Lou sind auf die Idee gekommen mit den Hühnern. Nach etwas Zeit hat Ulla gesagt, dass sie uns helfen würde, das Thema Hühner umzusetzen. Nach mehreren Monaten Diskussion haben wir das Thema in ein Plenum gebracht. Das Stimmungsbild ergab nur drei Enthaltungen, alle anderen waren für Hühner. Wir mussten nur noch die nächsten Tage abwarten und hoffen, dass niemand mehr dagegen ist… Und es war niemand dagegen!
Inzwischen sind die Hühner schon ziemlich zutraulich, sie picken uns schon aus der Hand! In den letzten Tagen haben wir Justus, Polly, Mattes, Thommy und Luna in die Hühnerpflege eingewiesen. Seit die Hühner da sind, stehe ich ungefähr zwei Mal die Woche um 7 Uhr morgens auf. Hühner brauchen jeden Tag drei Mal Pflege, das ist viel, aber es ist schön, sich um Hühner zu kümmern. Leider legen unsere Hühner noch keine Eier, da sie noch Junghennen sind, aber ich weiß auch nicht, wann sie anfangen. Wenn mich jemand fragt, wann sie denn anfangen mit Eier legen, antworte ich immer: „Spätestens in 5 Monaten und frühestens in 3 Monaten.“
Wir versuchen auch, unseren Hühnern Kunststücke beizubringen, z.B.: unter unseren Beinen lang zu laufen, über eine kleine Wippe zu gehen, zu einer Spaghetti hoch zu hüpfen…
 
 

 

 

Johanna

 

„Tiere bei LeNa in der Corona-Zeit“ … da fallen mir als erstes die neuen 32 Schnecken-Mitbewohner ein, die mit viel Liebe und Hingabe von Paulina, und auch zwischendurch von anderen LeNa-Kindern gepflegt werden. Ein tolles Gehege ist entstanden und wurde heute gerade erneuert und um Versteckmöglichkeiten erweitert. Inzwischen wird „Nachwuchs“ erwartet. Auf jeden Fall war eine Paarung und Eiablage zu beobachten. Die Eier sehen nach nun mindestens zehn Tagen unverändert aus … man darf gespannt sein, ob in den nächsten Tagen was Kleines schlüpft. Das alles ist ein ganz schön lebendiges Lernen, wie ich finde … auch ohne Schule.
Unsere Hündin Tess gehört hier ja schon richtig zum „Inventar“. Ich glaube, dass die Corona-Zeit für sie nicht sehr viel verändert … außer dass Paulina den ganzen Tag Zuhause ist. Ich selbst habe einen recht normalen Arbeitsalltag. Schon seit langem holen regelmäßig Berta und Susi, manchmal auch Joachim, Katharina, Reinhold oder Georg vormittags Tess mal für eine Runde raus. Leider hatte Tess Anfang April einen Blaseninfekt, der ihr ganz schön zugesetzt und sie Kraft gekostet hat. Sie ist wieder gesund, aber man merkt ihr ihre mehr als fünfzehn Jahre einmal mehr an in diesen Tagen. Es geht halt alles langsamer, und die Strecken sind deutlich kürzer geworden. Und sie geht nun seit Anfang April nicht mehr in den Hundekindergarten…gibt es sowas auch für Senioren?
 
 

 

 

Mareike

Kater, Fische & die Corona-Zeit
Für Kater bringt die Corona-Zeit etliche Vorteile mit sich. So erzählt der 8-jährige Pit: „Der ist viel mehr hier, er wirkt zutraulicher. Ich kuschel mehr mit ihm. Ich kann mir ein Leben ohne Kater nicht vorstellen.“
Die großen und kleinen menschlichen Dosen- und Türöffner des Katers stehen also dank Corona quasi rund um die Uhr zur Verfügung: „Ich lass ihn öfter rein. Auch wenn er bis 8 Uhr noch nicht zum Frühstück gekommen ist, lass ich ihn auch noch nach 10 Uhr rein und er muss nicht warten bis wir mittags wieder da sind“ berichtet der größere Bruder. Da bisher für Kater kein Kontaktverbot zu Nachbarfamilien besteht, hat er bei den Kindern nebenan sogar schon einen eigenen Platz eingerichtet bekommen und holt sich auch da, was er an Streicheleinheiten und Nähe braucht.
Und wie ist es mit den Fischen, die nur einmal die Woche gefüttert werden? „Ich kann mir die Wochentage gerade nicht so gut merken wegen Corona. Deshalb vergesse ich es immer mal, die Fische zu füttern. Aber Montag und Freitag kann ich mir gerade noch ganz gut merken. Deshalb füttere ich sie irgendwann am Freitag“. Ob das Aquarium wohl so gründlich geputzt und neu bepflanzt worden wäre in diesem Frühjahr ohne Corona? „Neeee“ kommt es wie aus der Pistole geschossen.
 
 

 

 

Anne

 
Neulich fragte mich eine Kollegin, wie es der Katze gehe – wo wir seit Corona mehr Zuhause sind. Ich reagierte verwirrt. Anteilnahme für eine Katze? Neben Homeschooling, Homeoffice und Homework… Ein Anlass zum Nachdenken.
Wir sitzen zusammen bei der Schulpause und reden über die Katze bei geschmierten Broten. Die Katze sitzt auf Maries Schoß und blickt gierig in Richtung Honigbrot. Motte ist ihr Name. Sie lebt seit Mitte Oktober bei uns, den Namen verdankt sie ihrem grauen Fell – die Namen Krümel, Keks und Orla waren auch in der engeren Auswahl – Motte war konsensfähig beim Familienplenum. Inzwischen kennt sie sich drinnen und draußen gut aus. Ab und zu besucht sie die Terrassen der direkten Nachbar*innen. In der Dunkelheit entfernt sie sich weiter von der Terrassentür und wenn wir sie rufen, dann sehen wir, wie die Bewegungsmelder der Gartenbeleuchtung angehen. Zwei Mal, als sie noch ganz klein war, hat sie sich verlaufen und wurde unter Kindertränen im Keller wieder aufgefunden – jedes Mal hatten wir die Katze dann spontan noch lieber als zuvor.
Jetzt sind wir zu Hause und bekommen das Tier mehr mit. Sie ist gesellig, gierig und eigensinnig – und sie macht Katzenyoga, merkt Jonas an. Wenn einer traurig ist, kommt sie an und tröstet. Sie hasst Wasser, springt aber gerne nach dem Duschen in die noch feuchte Badewanne. Sie fängt unsere Stubenfliegen, und mitunter schleppt sie Mäuse an. Hin und wieder ist Kater Manic zu Besuch. Motte sucht dann Zuflucht und faucht, folgt Manic, wenn er weitergeht. Es wirkt wie ein Spiel.
Sie frisst die Krümel unter dem Esstisch. Morgens weckt sie Marie, indem sie unter ihre Bettdecke kriecht. Gestern hat Sophie der Katze das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein erzählt – Homeschooling für die Katze?
Die meiste Zeit des Tages schläft Motte – auch wenn um sie herum Familientrubel ist. Ob sich seit Corona für uns etwas verändert hat in Bezug auf die Katze? Sophie wollte wissen, ob Motte auch einen Mundschutz braucht. Und in der Zeitung habe ich gelesen, dass ein Tiger im New Yorker Zoo Corona hat. Müssen wir uns um die Katze Sorgen machen? Ich hoffe nicht!

 

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