„30. März – heute ist ja der Tag, an dem wahrscheinlich viele von euch noch ihr ganz normales Gehalt aufs Konto bekommen werden.“ – so moderiert gerade Marwa Eldessouky auf WDR Cosmo, einem unserer liebsten Radiosender (ja, eindeutig ein Tipp), ein Interview übers bedingungslose Grundeinkommen an.
Die Diskussion über diese Initiative gehört ja vielleicht zu den Lichtblicken für die Zeit nach der gegenwärtigen erzwungenen Separierung, die für viele auch Vereinzelung, Vereinsamung und Verzweiflung bedeutet.
Die Idee unseres projektinternen Soli-Topfes zur Umverteilung wirtschaftlicher Lasten in der Krise ist auf viel Zuspruch gestoßen, und schon mehrere haben angekündigt, sich zu beteiligen. „Diese und auch andere Selbsthilfe-Initiativen machen Mut“, sagt eine Mitbewohnerin „und gleichzeitig ersetzen sie nicht den staatlichen Rettungsschirm, auf den in Not geratene Menschen nun Anspruch haben.“
Heute ist endlich noch für ein paar Stunden der Winter eingebrochen! Wunderbar, die verzauberten Kinder (kleine und große) zu erleben. In dem knappen Zeitfenster zwischen 3 cm Pappschneedecke und 0 mm feuchter Wiese will eine ganze Jahreszeit nachgeholt werden. So stehen heute Nachmittag gleich drei Schneefiguren (zwei im klassischen Format und ein Schneekänguruh) im Garten. Sie halten die Versammlung ab, die uns zurzeit versagt ist. Wobei: der Abstand zwischen ihnen erfüllt ganz vorbildlich die Auflagen.
Frauke

 

Stimmen – Beiträge – Interviews

 

Aljoscha

Endlich habe ich Zeit für viele Dinge, für die ich im Alltag keine Zeit finde: Tagsüber auf dem Sofa oder im Strandkorb lesen; endlich Pflanzen für die Terrassen vorziehen – Kürbis, Stangenbohnen, Erdbeeren, Tomaten und einige Blumen.
Zuhause haben wir neue Rituale entwickelt: gemeinsames Frühstück, z.T. mit Brötchen von einem Bäcker – „scheißegal, wie der heißt“ , jeden Abend kocht eine/r von uns, und nach dem gemeinsamen Essen spielen wir noch eine oder zwei Runden „Flügelschlag“, passend zur Jahreszeit.
Vorgestern habe ich bei tollsten Sonnenschein und 16 Grad spontan einen kleinen Jonglierworkshop im Garten mit einem Kind in Quarantäne gemacht – sie auf ihrer Terrasse und ich auf der Wiese, 3 Meter entfernt ein weiteres Kind, das zum ersten Mal jongliert hat und ausdauernd mit einem Ball übte, ganz stolz, wenn sie ihn wieder auffing.
Gestern haben wir im Garten eingemummelt in dicke Winterjacken, mit Pudelmützen und Handschuhen Wikingerschach gespielt.
Und heute bauten die Kinder glücklich Schneemenschen und machten Schneeballschlachten, auf unserer Terrasse und im Garten.
Worüber ich mich sehr freue, ist dass ich in dieser besonderen Zeit LeNas viel mehr mitbekomme als im normalen Alltag – über das alltägliche Singen und hinterher nochmal mit jemanden auf Distanz schwatzen, beim Qi Gong in der Morgensonne im Garten gerade 2x die Woche, über unsere Tagebucheinträge erfahren, wie es anderen LeNas geht, die Tages-Sprüche von Marie, Gespräche auf 2 Meter Distanz in der Food Coop oder auf dem Weg zum Waschen oder Briefkasten, füreinander einkaufen, miteinander telefonieren …
Danke dafür!

Ulla

Schnee!!! Die ersten im Garten sind die fünfjährige Ella und ihr großer Bruder Toni. Kurz darauf taucht überraschend Anton auf, der sonst gern in der Stube hockt. Ums Eck saust Thommy mit der gelben Mütze, schnappt sich das Lastenfahrrädchen. Zwei Minuten später ist seine Mutter Polly da, mit Klein-Ada auf dem Schlitten. Der erste Schnee ihres Lebens, so ganz geheuer ist das kalte weiße Zeug nicht.
Wir schlecken Schnee zu Dritt: „Schmeckt nach nichts!“ Sagt Ella. „Ein bißchen Zitronengeschmack wäre toll!“ Sage ich. „So was macht die Natur nicht.“ Sagt Toni, der Neunjährige mit dem erstaunlichen Sachwissen. „Warum nicht?“ Frage ich. „Erstens wachsen hier keine Zitronen. Und zweitens, wie soll der Geschmack in der Himmel kommen?“
Jedenfalls ist dieser Tag für uns ein Geschenk des Himmels.

Katharina

Unglaublich, aber wahr. Wir konnten heute Morgen einen Schneemann bauen. Ach, was rede ich. Einen? Eine ganze Versammlung von Schneemännern waren plötzlich im Garten anzutreffen. Meist coronagerecht verteilt, standen sie herum. Sogar ein Schneehase gesellte sich dazu. Als ob die Zeit nicht schon verrückt genug sei. Doch es war eine Freude, die Schneekugeln mit den Kindern zu rollen. Der Schnee klebte perfekt.
Zum Mittag verwässert sich nun dieser Schneespaß und die einsamen weißen Wesen tropfen im Grünen und der Schneeanzug hängt tropfend im Bad. Die Sonne kommt raus. Eine herrliche Abwechslung war es!

 

Angelika

Ich habe aus meinem Wohnzimmer vom Esstisch aus einen ziemlich prädestinierten Platz, was den Blick in den Garten betrifft.
So habe ich mich gerade mal wieder sehr über die Spiel-Phantasie der Kinder gefreut, nämlich mit Schneebällen Korbball zu spielen. Darauf muss man erst mal kommen.
Mir hat es ein Lachen ins Gesicht gezaubert.

 

Heike

Ich freue mich auf meinen Geburtstag am 1. April, weil er nur für mich da sein wird.
Da die Corona Krise schon weit über zwei Wochen andauert, musste ich keine Geburtstagsvorbereitungen tätigen. Sonst hätte ich mich beschäftigen müssen mit den üblichen Fragen. Wer wird wann eingeladen? Was soll es zu Essen geben? Wie werden die Kolleg*innen bedacht?
Ich feiere mich ganz allein. Das ist was Besonderes. Das fühlt sich auch nicht so an, als sei ich allein. Ich bin ja nicht allein, denn ich habe nette Nachbarn und viele Kontakte, die in dieser Zeit über das Telefon oder den Computer ablaufen. Ich kann in die Natur gehen und Kraft schöpfen. Ich fühle mich verbunden und das trägt mich.
So werde ich mir einen Kuchen backen und ganz für mich diesen Tag zelebrieren.

 

 

 

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