Früher war Sonntag der Tag, an dem alle mehr Zeit füreinander hatten, wir uns in größerer Runde zum Spielen trafen. Heute gehen viele allein, zu zweit oder in der Familie in den nahen Wald, wo die Buschwindröschen und Blausternchen blühen. Die kleinen Teiche und Bäche sind nach dem Regen endlich wieder gut gefüllt. Mehr Spaziergänger als sonst sind unterwegs, weichen einander in großen Bögen aus – und grüßen, die Freundlichkeit, so scheint es, wächst.
Ein altes Sonntagsritual: mit Kindern, Enkeln, Eltern telefonieren oder skypen. Ausgiebiger als früher, so ist zu vermuten. Genau wissen wir das natürlich nicht. Es findet in den eigenen vier Wänden statt, wie große Teile des Lebens. Eine ungewohnte Situation für uns Journalisten, wir können nicht einfach klingeln und uns zusammensetzen. Wir können die Wirklichkeit gerade nur sehr fragmentarisch wahrnehmen. Also werden wir subjektiv erzählen: ICH sehe und höre dies und das, und von jenem weiß ich NICHTS. Ich, Ulla, telefoniere mit meiner 96jährigen blinden Mutter in Westfalen, die allein lebt, und mit meiner fast hundertjährigen Schwiegermutter. Wohl jede(r) bei LeNa ist intensiv beschäftigt mit seinen fernen Lieben. Ein Tagebuch-Thema, das uns begleiten wird.
Flurgespräche im Zweimeterabstand. Da manche von uns schwerhörig sind, reden wir oft so laut wie auf einem Schiff bei stürmischer See: -„Jule hat kein Fieber!“ – „Habt Ihr die Wildgänse gesehen?“
Abends wird bekannt, dass Angela Merkel vorsorglich in häusliche Quarantäne muss. Ab jetzt gilt in der ganzen Republik: weitgehende Kontaktsperre.
Maries Motivationsspruch heute: „Man muss mit allem rechnen. Auch mit dem Guten.“
Ulla

Stimmen – Beiträge – Interviews

 

Grete

Sonntagmorgen, 8.00 Uhr. Ein regelmäßiger Treff für einige LeNa-Aktive zum Walken. Wollen wir das auch heute? Ja unbedingt, aber mit der strikten Regel „Gänsemarsch“, Abstand mindestens 2 m. Und so starten wir zu Fünft bei 0°,  strahlender Sonne und azurblauem Himmel. Spricht die Schlussläuferin, wiederholt die Mitte, damit man vorne versteht. Wir genießen den Wald, die wunderbare Natur und unseren Austausch. Die Bewegung erfreut uns und unser Immunsystem. Nach einer guten Stunde sind wir dankbar für das Gemeinschaftserleben und gestärkt für diesen Tag wieder zurück.

Katharina

Sonntagabend. Gleich ist es soweit, 18.30 Uhr, Zeit zum Balkonsingen. Ich schnapp mir meine Liedertexte, ziehe meine Jacke über – heute ist`s lausekalt- und gehe raus. Einige LeNas sind schon draußen, die Gitarre wird gestimmt. „Heute hier morgen dort“ erschallt es bald aus allen Ecken und Höhen. Dieses Lied habe ich mir gewünscht. Ich mag die Melodie, noch immer liegt sie als Wurm in meinem Ohr. Das Lied steht für mich für den stetigen Wandel, begleitet von Wehmut aber auch von Hoffnung. Es passt also in diese Zeit, in der sich so vieles wandelt, Verzicht geübt werden muss, aber auch gehofft werden darf, dass diese Zeit Gutes hervorbringt. Es ist wunderbar, dieses Lied mit anderen LeNas singen zu dürfen, in unserem gemeinsamen Garten, verbunden und sicher. Welch Privileg!

Es folgt ein weiterer Liederwunsch von mir: „Über den Wolken“ – ein Lied voller Sehnsucht, Abschiedsschmerz und Zuversicht. Es erinnert mich an meine Schulzeit, an Klassenfahrten, Lagerfeuer, Freundschaften, verbunden und sicher. Aber: Ich wäre nicht gerne mitgeflogen. Ich möchte hier bei LeNa sein, mehr denn je, und noch viele Abende um 18:30 in den Garten gehen und singen.

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