„Ich hab voll den Albtraum gehabt“, sagt der Erstklässler mit gespieltem Ernst zu seiner Mutter. „April, April!“ – „Hey, habt ihr schon gehört, Corona ist kein Virus, sondern ein Bakterium!“ – „Unsere Osteria hat geöffnet. Ich hab nen Tisch bestellt!“.
Einige Zeitungen kommentieren, Aprilscherze seien dieses Jahr unpassend. Bei uns jedenfalls fallen sie nicht aus, nachmittags schreien Kinder im Garten immer wieder „April, April!“ Ein Spiel ist ein Spiel. Es wird überhaupt mehr gespielt, aus Langeweile, um die Anspannung loszuwerden, den Ernst der Lage zu vergessen.
Wir empfehlen uns Spiele, und manchmal erfinden wir welche. Das neueste stammt von Polly: „Wie wäre es, da wir gerade nirgendwohin reisen können, mal unsere nächste Umgebung zu bereisen? Kann man alleine machen oder mit der ganzen Familie, oder mehrere teilen sich einen Ort, z.B. das gemeinsame Wohnzimmer oder den Laubengang und vergleichen hinterher ihre Reiseeindrücke. Geklaut habe ich die Idee von Zsusa Bánk .
Auf den eigenen Mikrokosmos beschränkt zu sein, hat durchaus einen gewissen Reiz.
Auch unsere gestern begonnene Debatte führen wir im Kleinen. Heute und morgen gibt es weitere Stimmen zum Thema „Exit“, wann und wie es weitergehen könnte.
Für das Geburtstagskind Heike ist dieser 1. April ein ganz besonderer Tag: keine Gäste, aber viele Nachbarn, die klingeln und ihr ein Ständchen bringen. Abends lassen wir sie im Garten hochleben. 

Ulla

 

Stimmen – Beiträge – Interviews

 

Georg

Wie es mir mit den Einschränkungen geht?
… Widersprüche reizen zum Widerspruch (aus: Die performative Kraft von Paradoxien; in Zwischenwelten der Pädagogik; Wimmer 2009, S. 346).
…. Für einen freiheitlich denkenden Menschen ist es gerade sehr schwer – es tut weh – die gesellschaftlichen Entwicklungen auszuhalten. Gleichwohl empfinde ich die verordneten Beschränkungen aktuell für richtig.
Als ich vor einigen Tagen – ich sehe gerade viel mehr fern – den Talk bei Anne Will einschaltete, war genau diese Frage Thema und die Antwort nach sieben Minuten „Fernsehzeit“ klar. Die Situation ist noch sehr unübersichtlich.
Es braucht Geduld, Schutzkleidung, Atemmasken! Und die Bereitschaft, sich ernsthaft an die Regeln zu halten. Jetzt öffentlich über „alle Möglichkeiten“ zu spekulieren ist mindestens eine Woche zu früh.
Dieser Argumentation kann ich folgen. Schweigen wird unterschätzt …

 

Barbara

Uwe und ich machen uns aktuell keine Gedanken über eine sogenannte Exit-Strategie. Das einzige was ich vor einer Woche beim Schauen einer Reportage über das Fasten dachte: Beim Fastenbrechen wird drauf geachtet, den ersten Apfel langsam und intensiv zu kauen – vielleicht ist es beim Aufheben des Corona-Kontaktverbots auch enorm wichtig, dass wir uns nicht überfluten mit Reizen von außen?
Ansonsten ist das aus unserer Sicht Mediengetöse. Um einen Ausgang suchen zu können, braucht man doch einen guten Überblick über die Landschaft. Doch die schwierigsten Passagen der Corona-Epidemie haben wir leider noch nicht überwunden, noch keinen Gipfel erreicht.
Passend fand ich dazu die taz von Montag („Heinsberg geht viral“) und ein Zitat vom Landrat Pusch aus Heinsberg, der Ort an dem am 15. Februar 2020 bei der karnevalistischen Kappensitzung der Virus so richtig nach Deutschland kam:
Atmen die Menschen allmählich auf? „Ein ganz kleines bisschen“, glaubt Landrat Pusch. Und dann muss er sich schon wieder ärgern, über „Pappnasen wie diesen Christian Lindner, der schon nach vier Tagen davon redet, die Kontaktbeschränkungen wieder zu lockern. In Heinsberg fangen wir nach über einem Monat mit ganz kleinen Dingen wieder an.“ Seit Mitte März gehen die ersten infizierten Teilnehmer der Kappensitzung wieder zur Arbeit.

 

Fritz und Britta

In dieser Ausnahmesituation fahren alle Gedanken und Gefühle Achterbahn. Für uns gibt es Fragen über Fragen. Ist unsere Gesellschaft in der Lage, die Versorgung sicher zu stellen, ohne Ausgrenzung von „Alten“ mit Vorerkrankungen wie z.B. in Italien? Wann wird es einen Impfstoff geben? Was bedeutet es, in der Selbstbestimmung, Autonomie und Freiheit eingeschränkt zu sein? Was, wenn das Virus auf Lesbos ausbricht? Wie gehen andere Länder mit der Situation um, z.B. „Herdenimmunität“? Wie wird sich die Gesellschaft nach Corona verändern und was muss durch uns verändert werden?
Wir glauben, dass es derzeit zu früh ist, über Lockerungen der Einschränkungen zu beschließen.

 

Johanna

Grundsätzlich habe ich persönlich, wie viele andere auch, das Bedürfnis
nach Vorausplanbarkeit und damit dem Gefühl einer gewissen Sicherheit.
In der aktuellen Situation halte ich Diskussionen über Exit-Strategien allerdings für zu verfrüht. Sie bergen sogar eher die Gefahr, als Botschaft falsch verstanden zu werden und könnten zu Bagatellisierung (nach dem Motto „wenn wir jetzt schon darüber sprechen, dann ist es wohl nicht mehr so schlimm…“) und vorzeitiger „Nachlässigkeit“ in der sozialen Distanznahme führen.
Die aktuelle Krise ist für uns alle neu und selbst für Experten nicht prognostizierbar. Also: ein Schritt nach dem anderen!

 

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