Kategorie-Archiv: Selbstverwaltung

Was bedeutet für euch selbstorganisiert zusammen zu leben?

Wir organisieren die Art und Weise unseres Zusammenlebens selbst, dabei stehen die Ziele des gemeinschaftlichen Wohnens und die Bedürfnisse der Bewohner_Innen im Vordergrund.

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Bei LeNa wohnen viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Kompetenzen. JedeR versucht nach ihren/seinen eigenen Möglichkeiten, der jeweiligen Lebenssituation, des Zeitbudgets und der Kompetenzen sich einzubringen – niemand teilt die Aufgaben zu, sondern jedeR übernimmt freiwillig und nach den eigenen Möglichkeiten eine Aufgabe.

Es kann schon vorkommen, dass sich jemand unter Druck gesetzt fühlt, weil er keine Kapazitäten hat oder sich Aufgaben nicht zutraut. Oder andersherum kann es sein, dass jemand das Gefühl hat,  zu viele Arbeiten und Verantwortung übernommen zu haben.

Wir möchten jedoch keine Bewertung der Aufgaben vornehmen und sie nicht vermeintlich objektiv gerecht verteilen,  es gehört zu unseren Projektgedanken, dass Menschen sich unterschiedlich einbringen.

 

Habt ihr Erfahrungen mit bestimmten Moderationsmethoden gesammelt?

Nach und nach wuchsen  wir zu einer Großgruppe, die sich im Plenum trifft. Hier einige der Beispiele für Moderationsmethoden, die sich bei uns bewährt haben:

  • Aufstellungen, in denen wir uns stehend und bewegend austauschen und positionieren. Wirkungsvoll ist es zu sehen, wo jeder steht, jeder wird gesehen und zeigt, was ihn zurzeit umtreibt.
  • Fishbowl – es gibt einen Innen- und Außenkreis. Im Innenkreis werden z.B. widerstreitende Positionen diskutiert, der Außenkreis hört nur zu. Ein Wechsel von Innen- und Außenkreis ist jederzeit möglich. Es können sich viele daran beteiligen.
  • Flüstergruppen – kurzer leiser Austausch mit Sitznachbarn.
  • Positionierung in vier Ecken des Raumes zu verschiedenen Aspekten eines Themas
    Kleingruppen (4 bis 6 LeNas): Austausch zu bestimmten Fragen und Weitervermittlung ins Plenum.
  • Visualisierung von Ideen und Vorschlägen durch die Arbeitsgruppen.
  • Begehungen auf dem Grundstück.
Gespräche im "Kugellager"
Gespräche im „Kugellager“

Wie entscheidet ihr?

2009, also noch bevor wir das Grundstück hatten, haben wir uns lange mit der Entscheidungsfindung befasst. Am Ende haben wir uns gegen eine ¾ -Mehrheit ausgesprochen und für das Konsensverfahren entschieden. Besonders vor dem Hintergrund, dass wir zusammen wohnen und leben wollen, passte keine Kultur von Kampfabstimmungen, gewinnen und durchsetzen wollen.

Arbeitsgruppen erarbeiten im Vorfeld einer Abstimmung tragfähige, konsensfähige Vorschläge, die von möglichst Allen getragen werden können. Abgestimmt werden kann mit JA, NEIN, einer ENTHALTUNG oder es kann ein VETO eingelegt werden. Ein NEIN bedeutet kein Veto, sondern ist Ausdruck dafür, die Entscheidung nicht richtig zu finden, ohne das es die Relevanz hat, die Entscheidung blockieren zu wollen. Ein Veto bedeutet immer ein „Stopp!“ und muss gewissenhaft eingesetzt werden. Es muss dann erneut beraten, überzeugt, diskutiert und nach Lösungen gesucht werden. Es gibt auch Vetos, die ein Hinweis darauf sind, dass Entscheidungen noch nicht ausgereift sind oder dass etwas Wichtiges übersehen wurde.

Die gesamte Bauzeit hindurch und bis heute funktioniert dies sehr gut! Es kommen Entscheidungen zustande, mit denen alle leben können.

Warum habt ihr Arbeitsgruppen?

Die Arbeitsgruppen sind ein ganz wichtiger Teil unserer Selbstverwaltung. In kleinen Gruppen werden Arbeitsbereiche intensiv bearbeitet und nach Lösungen gesucht. Es ist möglich, in Arbeitsgruppen ein- und auszusteigen und voneinander zu lernen. Die Arbeitsgruppen  geben ihre Vorschläge in die Gesamtgruppe ein und erarbeiten Beschlussvorlagen, über die dann das Plenum entscheidet.

Alle drei Wochen findet unsere Vollversammlung statt, die das Entscheidungsgremium ist. Die Tagesordnung – zusammen gestellt von der Steuergruppe – wird vor jedem Treffen versandt, so dass es transparent ist, worüber diskutiert und entschieden werden soll.

Die Steuergruppe hat während der Bauzeit dafür gesorgt, dass die Arbeitsgruppen DSC_0096_webvoneinander wissen und die Prozesse abgestimmt wurden. Zur Steuergruppe gehörte auch unser Projektbegleiter, um eine enge Verbindung zur gesamten Projektentwicklung zu gewährleisten.

LeNa hat eine Moderationsgruppe. Es sind nicht dieselben Leute, die die Tagesordnung erstellen.

Die Protokollgruppe sorgt dafür, dass zeitnah auch die nicht Anwesenden von den Ergebnissen erfahren und ggf. Widerspruch gegen gefasste Beschlüsse einlegen können.